mo & bsd

I turn my head up to the sky, I focus one thought at a time..



Ich schließe die Augen und genieße die wohlig-warmen Sonnenstrahlen, die munter vom Himmel scheinen. Ein Lächeln huscht über meine Lippen und für diesen klitzekleinen Moment, vergesse ich all die dunklen Kleckse, die der Tag gebracht hat. Ich lächele der Sonne entgegen, will sie begrüßen, will selbst so warm sein. Und dann denke ich an Alex. Er kommt einfach so in meinen Kopf, weil ich daran denke, dass ich die Menschen, die ich liebe, glücklich sehen möchte. Wenn ich jedoch daran denke, wieviele 'Freunde' von ihm mich heute ansprachen, nur um sich daran zu erfreuen, dass es ihm schlecht geht, obwohl ich sagte, er wäre krank, wird mir schlecht. Dieses Gefühl kriecht langsam in mir hoch, ein Kribbeln im Bauch, wie ein kleiner Wirbelsturm, ein kleines Gewitter. Ich bin enttäuscht, traurig, wütend und hätte in diesem Moment am liebsten wirklich jeden einzelnen Freund aufgesucht, um ihm irgendwie klar zu machen, wie taktlos und kalt derjenige eigentlich ist. Taktlosigkeit ist noch untertrieben, gewaltig untertrieben, aber ein besseres Wort fällt mir einfach nicht ein. Ich sehe das Mädchen, wegen dem es Alex so schlecht geht, sehe ihr Lachen, sehe wie sie sich an den Nächsten ranmacht, denke daran, dass sie dreizehn Jahre alt ist und frage mich, wann die nächste Generation wohl mit solchen Dingen beginnen wird. Ich würde sie gerne ansprechen, aber leider geht mich das Ganze recht wenig an, außerdem wäre das für Alex sicherlich ziemlich unangenehm. Also verwerfe ich den Gedanken lieber und hoffe, dass es Alex gut geht. Schon am Morgen, als ich - bereits genervt - in der Aula saß, wartend auf den Beginn des Unterrichts, kommt das erste Mädchen. Sie grinst hämisch und fragt neugierig, warum denn Alex nicht da sei. Sie erntet einen genervten, bösen, aber beherrschten Blick und als Ich ihr klar mache, dass er krank ist, hätte jeder Mensch, der wenigstens ein bisschen feinfühlig ist, bereits an meinem Tonfall erraten können, dass ich jene Frage an diesem Tag das letzte Mal hören wollte. Natürlich hat das Niemanden wirklich interessiert und so bekam ich die Frage noch unzählige Male zu hören. Und ich frage mich, wie Kinder in einem Alter von dreizehn Jahren bereits so kalt und spöttisch sein können. Ich frage mich, wie man ein Kind erziehen muss, damit es so rücksichtslos wird. Ich frage mich, wo die Liebe hin ist, wo das Mitgefühl, wo die Freundschaft und wo die Aufmunterung, doch ich finde sie nicht. Nicht in den Augen, der Kinder, in denen nichts als Hinterhältigkeit zu erkennen ist. Ich bin sauer. Wirklich sauer, ich merke es anhand meiner feuchten Augen und dem Gefühl in meinem Bauch. Ich hatte etwas sagen wollen, aber in dem Moment wurde ich so wütend, so verständnislos, dass mir jedes Wort im Halse stecken geblieben ist. Aber Ablenkung ist in dieser Schule kaum zu finden. Als ich wieder in Richtung Klassenraum gehe, um die letzten zwei Stunden über mich ergehen zu lassen, strömt mir die nächste Welle absoluter Dummheit entgegen. Kopfschmerzen sind das Resultat. Und hier spürt man schon nicht einmal mehr Freundschaft. Gefühlslosigkeit und Gleichgültigkeit, viel Egoismus und diese Blicke, die immer nur den Bereich des Menschen fixieren, an dem sie etwas haben könnten. Ich bin demnach mehr oder weniger erleichtert, als ich im Auto sitze, mein Bruder von dem Abiball erzählt, obwohl ich nicht zuhöre, weil Nevershoutnever in meinem Ohr von der Liebe singt und die Sonnenstrahlen aufsauge, als bräuchte ich die Wärme, die Energie, um all das zurückzubekommen, was ich in der Schule täglich verliere. Aber ich bin stark und gebe nicht auf. Ich bekomme jedes dieser Gefühle wieder, jedes bisschen Energie. Ich kann schreiben. Ich fühle, ich bin glücklich, traurig, verliebt, sehnsüchtig, schmecke das Leben und vergesse nicht, wie sich die Sonne auf der Haut anfühlt, vergesse nicht den Duft des Regens nach einem Gewitter, vergesse keinen Atemzug, vergesse nicht das nervöse Klopfen meines Herzens, wegen einem bestimmten Menschen. Dafür vergesse ich gerade Absätze zu machen und ich bin der absoluten Überzeugung, dass es sich mit Absätzen sehr viel leichter lesen lassen würde. Aber ich mag keine Absätze machen. Passt auch gerade gar nicht. Also, wie schon gesagt, ich lasse mir meine Wärme nicht nehmen. Da platze ich lieber vor Sehnsucht, als dass ich nur noch an mich selber denke. Ich werde nicht zu einem dieser gleichgültigen Menschen, die nichts als Nutzen in einem Menschen suchen. Ich suche das Verborgene. Das Lächeln, die Wärme, die Persönlichkeit. Ich suche viel mehr, als alle sehen, weil mir stets gesagt worden ist, dass das Herz viel besser sehen kann. Und es stimmt.

Tada, ich habe nun doch einen Absatz gemacht. Muss erstmal Lisa Mitchell ruhig stellen - ihre Neopolitan Dreams habe ich nun wirklich zu oft gehört. Vorhin hatte ich wirklich schöne Sätze im Kopf, als die Sonne die Felder in ihr goldenes Licht tränkte. Als ich an 'Feeling good' von Michael Bublé gedacht habe und mir vorstellen konnte, dass wirklich jeder Vogel wissen muss, wie ich mich fühle, in der Sonne, mit den Gefühlen in meinen Bauch. Das es der Wind wissen muss, die Bäume, die Blumen...
Der einzige bittere Nachgeschmack, war Alex, der mir den ganzen Tag nicht aus dem Kopf ging, aber manchmal bringt ein Tag soviel Überraschung, dass man trotzdem glücklich ist, mal ganz davon abgesehen, dass der Tag in meinem Taschenkalender nicht (mehr) existiert. Was man nicht alles aus Wut und Enttäuschung macht. In der Realität sah das natürlich komplett anders aus. Der Tag existierte, begrüßte mich sanft mit der Sonne und bleibt auch noch eine Weile bei mir. Ich empfinde auch keine Reue mehr, nicht das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben, bin nicht traurig, dass alles anders gekommen ist, einfach weil alles so viel besser gekommen ist. Bleib doch noch ein wenig, 3. April. Du fühlst dich richtig an. Und auch Alex wird ihn noch heute als richtig empfinden, dafür werde ich sorgen.

Ein wirkliches Wunder ist geschehen. Okay, okay, vermutlich ist es nichts Großes, aber die Orchideen, die ich mir vor einem Monat gekauft habe, sind noch immer wunderschön. Die Tulpen sind aufgegangen und strecken sich dem Tag entgegen und das obwohl Blumen bei mir normalerweise nicht überleben wollen. (Das zeigte sich dann auch an dem kleinen Ikea-Bambus-Pflänzchen, dass halb vertrocknet in seiner Vase steht..) Immerhin schafft es gerade meine Orchidee mich zum staunen zu bringen. Ich liebe ihre weißen Blüten, wenn man sie ansieht und tief einatmet, schmeckt das Leben wunderbar, irgendwie. Einfach draußen stehen, Blumen ansehen und atmen. Und an einen Daniel denken, den ganzen Tag, immer. Und dann fühle ich mich nach Musik, Lächeln und Luft. Ganz viel frischer Luft.

Eigentlich wollte ich bereits vor einigen Minuten aufhören zu schreiben, aber es macht mich gerade so glücklich. So viel glücklicher, als ich es ohnehin schon bin. Aber jetzt werde ich es wohl lassen, für die nächsten Stunden. Ich werde aufräumen, es meinen Blumen gemütlicher machen - auch mir selbst. Und dann werde ich ein wenig hinaus gehen und die letzten Sonnenstrahlen (Die Vögel singen gerade total schön.) genießen, spüren, schmecken. Mich darüber freuen, dass ich die Dummheiten meiner Schule für ganze zwei Wochen nicht sehen muss.

(Habe gerade einen komischen Gedanken: Ich habe Lust zur Karlsburg zu fahren. Ah, die Strecke ist so himmlisch. Die Wälder, die kaum Sonnenlicht hindurch lassen und trotzdem so warm sind. Die Schattenspiele unter der Sonne. Dann die kleine Straße hinauf zur Burg, die Sonne, der Duft. Ahhh. Das werde ich übernächste Woche auf jeden Fall mit Robin machen.. auch wenn ich es eher wegen mir machen möchte.)

Wo war ich stehe geblieben? Ach ja. Ich sehe die Menschen meiner Schule nicht für ganze zwei Wochen. Zwei Wochen Freiheit. Und es fühlt sich auch genau so an. Nach Freiheit.
Freiheit, Liebe, Glück, Sonne. Und Sehnsucht.
3.4.09 15:13


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